Eisenbahn-Brigade Jüterbog
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurden auf Veranlassung des Preußischen Generalstabes spezielle Eisenbahntruppen aufgestellt, um die im Krieg aufgetretenen Probleme im Feldeisenbahndienst zu beheben. Am 19. Mai 1871 entstand zunächst ein Eisenbahn-Bataillon, das später zu einem Regiment und schließlich zu einer Brigade erweitert wurde. Die Eisenbahn-Brigade war dem Generalinspekteur des Ingenieurkorps unterstellt und hatte ihren Hauptstandort in Berlin-Schöneberg.
Für Ausbildung und Übung der Eisenbahntruppen wurde die Königlich Preußische Militär-Eisenbahn (K.M.E.) gebaut, die ab 1875 zunächst von Berlin über Zossen bis zum Artillerie-Übungsplatz Kummersdorf führte und 1897 bis Jüterbog verlängert wurde. Die Strecke war 70,6 Kilometer lang und diente sowohl dem militärischen Eisenbahnbetrieb als auch der Ausbildung der Eisenbahnpioniere.
In Jüterbog entstand ein eigener Militärbahnhof nordwestlich der Gleise der Anhalter Bahn, der mit mehreren Haupt- und Nebengleisen sowie repräsentativen Gebäuden ausgestattet war. Dieser Bahnhof diente bis 1922 als Endpunkt der Militärbahn und wurde später von der sowjetischen Armee genutzt.
Die Eisenbahn-Brigade war maßgeblich am Bau und Betrieb der Militärbahn beteiligt und führte im Raum Jüterbog zahlreiche Übungen und technische Erprobungen durch, darunter auch den Bau von Feldbahnen zwischen den Schießplätzen Kummersdorf und Jüterbog. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Militärbahn unter zivile Verwaltung gestellt, doch die militärischen Anlagen, insbesondere in Jüterbog, blieben bis weit ins 20. Jahrhundert von Bedeutung.