Marine Ehrenmal: Unterschied zwischen den Versionen

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[[File:W0231799.jpg|thumb|400px|Reklamemarke vom Marine Ehrenmals]]
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[[File:Modell Ehrenmal.jpg|thumb|300px|Modell des Ehrenmals]]
Das vom Düsseldorfer Architekten Gustav August Munze im expressionistischen Stil errichtet Gebäude, wurde vor allem durch Spenden deutscher Marinvereine finanziert. Erbaut wurde das Denkmal von 1927 bis 1936 in Laboe. Es diente zuerst als Mahnmal an die gefallenen deutschen Marinesoldaten des 1. Weltkrieges. Den Grundstein legte Admiral Reinhard Scheer, der Befehlshaber der Hochseeflotte in der Schlacht im Skarrag.
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[[File:1960 Weihehalle Ehrenmal Laboe Foto Wöhlk.jpg|thumb|300px|left|Weihehalle 1960]]
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[[File:2006 Laboe Ehrenmal Foto Wöhlk.jpg|thumb|300px|left|Ehrenmal 2006]]
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[[File:Querschnitt Laboe.jpg|thumb|300px|Querschnitt des Ehrenmals]]
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[[File:1930er Ehrenmal Luftbild g.jpg|thumb|300px|Luftaufnahme des Ehrenmals aus den 1930er]]
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[[File:2006 Laboe Aussichtplatform Foto Wöhlk.jpg|thumb|300px|left|Aussichtsplattform]]
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[[File:1936 Laboer Ehrenmal neu g.jpg|thumb|300px|Ehrenmal 1936]]
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[[File:2006 Laboe Aussicht Rtg Schilksee Foto Wöhlk.jpg|thumb|300px|left|Aussicht vom Ehrenmal in Richtung Schilksee, im Hintergrund sind die Hochhäuser des Olympiazentrums zu erkennen]]
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[[File:2009 Laboe Ehrenmal UBoot Kreuzfahrer Foto Wöhlk.jpg|thumb|300px|left|Ehrenmal 2009, vor dem Gebäude befindet sich das U-Boot, welches heute besichtigt werden kann]]
  
Als erster Bauabschnitt enstand der 85 m hohe Turm 1929. 1933 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen, da auf Grund der Weltwirtschaftskrise der Bau zwischenzeitlich eingestellt wurde. Das Bauwerk wurde 1936 fertig gestellt und die Einweihung vom NS-Regime ideologisch vereinnahmt.
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'''Das Ehrenmal in Laboe'''
  
1945 wurde der Bau von den Allierten beschlagnahmt und 1954 an den Deutschen Marinebund zurück gegeben. Das Mahnmal wurde zudem umgewidmet und dient als Gedenkstätte aller gefallenen Seeleute der beiden Weltkriege.
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Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts bauten die Preußen an der Kieler Förde nicht nur die Festung Friedrichsort und ihre Umgebung systematisch aus, sondern legten auch eine Reihe militärischer Anlagen auf dem Ostufer der Förde an. In dem bis dahin verträumten Fischerdorf Laboe wurde um 1900 ein Panzerturm mit 2 weitreichenden 28-cm-Geschützen gebaut, der zusammen mit anderen Batterien auf beiden Fördeufern feindliche Flottenverbände bekämpfen oder zumindest abschrecken sollte. Letzteres hatte wohl Erfolg, denn die Laboer Geschütze sollten nie einen scharfen Schuß auf feindliche Schiffe abgeben. Der Versailler Friedensvertrag von 1919 bestimmte u.a., daß der Panzerturm zu sprengen sei, was auch geschah, so daß Laboe hier damals ein umfangreiches Trümmerfeld vorzuweisen hatte. Derselbe Vertrag bestimmte auch, daß die einst stolze kaiserliche Marine auf wenige tausend Mann zu verkleinern war und als schwimmende Einheiten nur wenige veraltete oder kleine Kriegsschiffe besitzen durfte. In dieser Marine, die voll von republikfeindlichen, aber kaisertreuen Offizieren war, wühlte die Schmach des letztlich selbst verschuldeten Friedensschlusses – man hätte den Krieg ja nicht anfangen müssen! Unter anderem keimte schon nach kurzer Zeit der Gedanke auf, durch ein angemessenes - sprich: pompöses - Bauwerk der rund 35 000 Gefallenen des Krieges 14/18 zu gedenken bzw. ihre Opfer als Heldentaten darzustellen, (zugängliche) Soldatengräber waren meist zwangsläufig nicht vorhanden. Staatliche Zuschüsse, das war den Initiatoren klar, würde es nicht geben. Die Spenden flossen jedoch reichlich, blieb nur die Frage nach dem Standort. Gegenüber den Mitbewerbern sprachen für Laboe letztlich der repräsentative Standort am Ausgang eines der schönsten (Kriegs-)Häfen der Welt und eben das Gelände des gesprengten Panzerturms - in der Hand des Fiskus, also preisgünstig zu erwerben.
  
1996 erfolgte eine erneute Umwidmung. Nun dient es als „Gedenkstätte für die auf See Gebliebenen aller Nationen. Mahnmal für eine friedliche Seefahrt auf freien Meeren.“ Das Marineehrenmal ist offizielle Gedenkstätte der Deutschen Marine.
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Das Jahr 1927 brachte einen Architektenwettbewerb, bei dem man den Entwurf von G.A. Munzer (Düsseldorf) zur Ausführung bestimmte, wobei als Auflage eine Verkleinerung der geplanten Anlage beschlossen wurde, so daß die Baukosten im Rahmen der vorgesehen Summe von 500 000 RM bleiben würden. Baubeginn war der 11. Juni 1929. Der Turm in der heute noch unveränderten Form, für deren Interpretation es mehrere Versionen gibt, wurde auf einer 1000 Tonnen schweren Stahlbetonplatte (Format 18 m mal 35 m) ausgeführt. Innen im Turm befindet sich ein Stahlbetonskelett, das nach außen durch Klinker bzw. Granitplatten verblendet wurde. Pro Tag wuchs die Konstruktion ca. 1 m in die Höhe, so daß am 15. November 1929 die letzten Steine in die schwindelerregender Höhe von 75 m über Grundplatte angebracht werden konnten. Die Bauabnahme erfolgte im Frühjahr des nächsten Jahres. Im 2. Bauabschnitt ab Sommer 1933 wurde in das Loch, in dem sich die 28-cm-Schiffsgeschütze des Panzerturms befunden hatten, eine unterirdische „Weihehalle„ von 6 m Höhe und 27 m Durchmesser eingebaut. Ehrenhalle und Festplatz (3. Bauabschnitt) rundeten das im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf fast bescheidene Umfeld des Ehrenmals ab. War die kurze Feier zur  Grundsteinlegung am 8. August 1927  vor allem von markigen und für die Zukunft eher Böses verheißenden Worten Admiral Scheers gekennzeichnet („Für deutsche Seemannsehr, für Deutschlands schwimmende Wehr, für beider Wiederkehr!„), so geriet die Einweihung Ende Mai 1936 zu einem dreitätigen nationalen bzw. nationalsozialistischen Spektakel mit allem zeittypischen Drum und Dran. Im Gegensatz zum Panzerturm von 1900 hat das Laboer Ehrenmal den folgenden Krieg und die Nachkriegszeit unbeschadet überstanden, einschließlich mancher fragwürdiger Sprüche und Präsentationen in Ehren- und Weihehalle. Durch zeitgemäße Umgestaltung scheint es in den letzten Jahren jedoch gelungen, das einstige Ehrenmal behutsam zu einem neutralen Mahnmal umzugestalten, ohne den Wert, den das Laboer Ehrenmal - wie es weiterhin heißt - als attraktiver Aussichtsturm zweifellos hat, in Frage zu stellen.
  
Der Turm kann ganzjährig besichtigt werden und ermöglicht einen weiten Ausblick über die Förde.
 
  
[http://www.veikkos-archiv.com/index.php?title=Kiel_Quellenverzeichnis Quelle]
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Text: Dr. Dieter Wöhlk
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Bilder rechts: Archiv Pieper-Wöhlk
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Fotos links: Wöhlk

Aktuelle Version vom 6. Oktober 2012, 14:38 Uhr

Modell des Ehrenmals
Weihehalle 1960
Ehrenmal 2006
Querschnitt des Ehrenmals
Luftaufnahme des Ehrenmals aus den 1930er
Aussichtsplattform
Ehrenmal 1936
Aussicht vom Ehrenmal in Richtung Schilksee, im Hintergrund sind die Hochhäuser des Olympiazentrums zu erkennen
Ehrenmal 2009, vor dem Gebäude befindet sich das U-Boot, welches heute besichtigt werden kann

Das Ehrenmal in Laboe

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts bauten die Preußen an der Kieler Förde nicht nur die Festung Friedrichsort und ihre Umgebung systematisch aus, sondern legten auch eine Reihe militärischer Anlagen auf dem Ostufer der Förde an. In dem bis dahin verträumten Fischerdorf Laboe wurde um 1900 ein Panzerturm mit 2 weitreichenden 28-cm-Geschützen gebaut, der zusammen mit anderen Batterien auf beiden Fördeufern feindliche Flottenverbände bekämpfen oder zumindest abschrecken sollte. Letzteres hatte wohl Erfolg, denn die Laboer Geschütze sollten nie einen scharfen Schuß auf feindliche Schiffe abgeben. Der Versailler Friedensvertrag von 1919 bestimmte u.a., daß der Panzerturm zu sprengen sei, was auch geschah, so daß Laboe hier damals ein umfangreiches Trümmerfeld vorzuweisen hatte. Derselbe Vertrag bestimmte auch, daß die einst stolze kaiserliche Marine auf wenige tausend Mann zu verkleinern war und als schwimmende Einheiten nur wenige veraltete oder kleine Kriegsschiffe besitzen durfte. In dieser Marine, die voll von republikfeindlichen, aber kaisertreuen Offizieren war, wühlte die Schmach des letztlich selbst verschuldeten Friedensschlusses – man hätte den Krieg ja nicht anfangen müssen! Unter anderem keimte schon nach kurzer Zeit der Gedanke auf, durch ein angemessenes - sprich: pompöses - Bauwerk der rund 35 000 Gefallenen des Krieges 14/18 zu gedenken bzw. ihre Opfer als Heldentaten darzustellen, (zugängliche) Soldatengräber waren meist zwangsläufig nicht vorhanden. Staatliche Zuschüsse, das war den Initiatoren klar, würde es nicht geben. Die Spenden flossen jedoch reichlich, blieb nur die Frage nach dem Standort. Gegenüber den Mitbewerbern sprachen für Laboe letztlich der repräsentative Standort am Ausgang eines der schönsten (Kriegs-)Häfen der Welt und eben das Gelände des gesprengten Panzerturms - in der Hand des Fiskus, also preisgünstig zu erwerben.

Das Jahr 1927 brachte einen Architektenwettbewerb, bei dem man den Entwurf von G.A. Munzer (Düsseldorf) zur Ausführung bestimmte, wobei als Auflage eine Verkleinerung der geplanten Anlage beschlossen wurde, so daß die Baukosten im Rahmen der vorgesehen Summe von 500 000 RM bleiben würden. Baubeginn war der 11. Juni 1929. Der Turm in der heute noch unveränderten Form, für deren Interpretation es mehrere Versionen gibt, wurde auf einer 1000 Tonnen schweren Stahlbetonplatte (Format 18 m mal 35 m) ausgeführt. Innen im Turm befindet sich ein Stahlbetonskelett, das nach außen durch Klinker bzw. Granitplatten verblendet wurde. Pro Tag wuchs die Konstruktion ca. 1 m in die Höhe, so daß am 15. November 1929 die letzten Steine in die schwindelerregender Höhe von 75 m über Grundplatte angebracht werden konnten. Die Bauabnahme erfolgte im Frühjahr des nächsten Jahres. Im 2. Bauabschnitt ab Sommer 1933 wurde in das Loch, in dem sich die 28-cm-Schiffsgeschütze des Panzerturms befunden hatten, eine unterirdische „Weihehalle„ von 6 m Höhe und 27 m Durchmesser eingebaut. Ehrenhalle und Festplatz (3. Bauabschnitt) rundeten das im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf fast bescheidene Umfeld des Ehrenmals ab. War die kurze Feier zur Grundsteinlegung am 8. August 1927 vor allem von markigen und für die Zukunft eher Böses verheißenden Worten Admiral Scheers gekennzeichnet („Für deutsche Seemannsehr, für Deutschlands schwimmende Wehr, für beider Wiederkehr!„), so geriet die Einweihung Ende Mai 1936 zu einem dreitätigen nationalen bzw. nationalsozialistischen Spektakel mit allem zeittypischen Drum und Dran. Im Gegensatz zum Panzerturm von 1900 hat das Laboer Ehrenmal den folgenden Krieg und die Nachkriegszeit unbeschadet überstanden, einschließlich mancher fragwürdiger Sprüche und Präsentationen in Ehren- und Weihehalle. Durch zeitgemäße Umgestaltung scheint es in den letzten Jahren jedoch gelungen, das einstige Ehrenmal behutsam zu einem neutralen Mahnmal umzugestalten, ohne den Wert, den das Laboer Ehrenmal - wie es weiterhin heißt - als attraktiver Aussichtsturm zweifellos hat, in Frage zu stellen.


Text: Dr. Dieter Wöhlk

Bilder rechts: Archiv Pieper-Wöhlk

Fotos links: Wöhlk